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„Wenn ich einmal groß bin, werde ich Kapitän und hole Dich mit meinem Schiff ab!“. Die kleine Sabine mit den langen Zöpfen aus der 1. Klasse Volksschule in Potsdam der Sechziger mußte lange warten bis ihr damaliger Held sein Versprechen aus dem Jahr 1963 einlöst, doch bald könnte soweit sein. Denn erstens könnte der mittlerweile zart Ergraute jetzt unbehelligt nach Ostberlin segeln und zweitens baut er wieder mal ein Schiff, und zwar ein großes.
Er, Martin Ranft (in Seglerkreisen Martini genannt, obwohl er nicht trinkt) hat diesbezüglich schon einiges hinter sich. Die legendäre Liebe zur See konnte zwar hinter dem „antifaschistischen Schutzwall“, auch Mauer genannt nicht so richtig zum Ausbruch kommen, aber irgendwie in den Westen gelangt, stand er 1978 zum ersten Mal mit den Füßen im Mittelmeer, genauer gesagt im Studenten Tauchcamp Medusa auf der kleinen Insel Sankt Helena vor Sithonia. Alle hatten damals wenig Geld, aber viel Schwung. Jede Buchung rettete das Unternehmen. Dort lernte Martini , wie man mit Nichts etwas auf die Beine stellt und stieg sofort in die Wassersportbranche ein. Die Eleven der Wassersportbranche hatten wenig Ahnung, aber davon sehr viel. Bereits ein Jahr später, nannten sie ein unsäglich altes und marodes Kaiki namens JENNY ( ex Hagias Sofia ) ihr stolzes eigen. Noch kurz davor wurden mit ihr blöckende Ziegen und deren würziger Feta auf die kargen Inseln Nordgriechenlands gesegelt. Betrieben wurde die Schaluppe von einem uralten Glühkopfmotor mit Schwungrad und einem dazugehörigen Bootsmann, der jedes Jahr einen Finger beim Anwerfen des antiken Jockels verlor. Nach kreativem Umbau durch Martini entstand eine nostalgisch, mediterrane Alternative zu den von Osmose geplagten Charterjachten der Siebziger. Die Kunden von damals schwärmen noch heute von tragikkomischen JENNY Törns zwischen Retsina und Reparatur, Metaxa und Motoröl. Ranft brachte stets alles wieder zum Laufen und sich seinen zweiten Spitznamen „Ölprinz“ ein. Die ersten „wilden“ Jahre des Vercharterns erzielten sogar einen kleinen Gewinn, so daß der Ölprinz zum großen zweiten Umbau anhub und bald darauf ein recht ansehnlicher Oldtimer vom Schlitten einer atemberaubend schlampigen Werft auf Chalkidiki rutschte. Die Werft war mittelalterlich, ebenso die Kulisse des Geschehens , da gegenüber den erwürdigen Klöstern der Halbinsel Athos gelegen. 1000 Jahre schauten dem maritimen Treiben zu, das sich „Inselbuchtenbummeln“ nannte und aus frustrierten Bürohengsten für 2 Wochen verwegene Gesellen machte . Sie segelten zu den Küsten des Lichtes und brachten es in ihren Herzen heim. Die nächsten Lern-und WQanderjahre machten aus dem braungebrannten Schlacks ein gestandenes Mannsbild mit FH Wirtschafts-Diplom und Segellehrerstelle bei namhaften Schulen und Bordpädagogischen Einrichtungen.
Jahrzehnte, Dutzende von Schiffen, hunderte von Törns, Ausbildungsstunden und Tausende von Seemeilen später will es unser Martini nochmal wissen. Nach den alten Männlichkeitskriterien vom gepflanzen Baum, geschriebenen Buch, gefahrenem Zwölfzylinder soll es der Neubau eines „XL Cats“ (19x8 Meter) sein. Großes soll entstehen und wir werden berichten.
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